BASF hat 110.000 Mitarbeitende. Wenn dieses Unternehmen KI einführt, ist das kein Pilotprojekt — das ist Industriepolitik im Kleinformat. Marcus Pospiech, Corporate AI Program Lead, beschreibt das Modell: Breitensport, Spitzensport, Am Ball bleiben.
Breitensport bedeutet: Verpflichtende KI-Schulungen für alle. Rollenspezifische Trainings. Und ein Detail, das aufhorchen lässt — wer seinen KI-Zugang nicht nutzt, bekommt ihn automatisch wieder entzogen. Das ist keine Strafe. Das ist konsequentes Ressourcenmanagement. Lizenzen, die verstauben, helfen niemandem.
Spitzensport ist die zweite Säule: Aus 500 Ideen wurden 60 fokussierte Value Cases destilliert. Nicht durch Brainstorming, sondern durch Job-Task-Analysen und Prozess-Mapping. PlantGPT für Wissensmanagement in der Produktion. Fox als Finance-Assistent. Konkrete Anwendungen, messbarer Nutzen.
Die dritte Säule — Am Ball bleiben — ist vielleicht die wichtigste. Über 1.000 AI Champions arbeiten als Multiplikatoren im Konzern. Sie bauen Nano-Agents für ihre Teams. Sie sind keine IT-Experten, sondern Fachleute, die KI verstanden haben und weitertragen.
Was BASF richtig macht: Sie messen mit einfachen KPIs — Regular Use und Power Use. Nicht mit komplexen ROI-Modellen, die drei Monate brauchen, um berechnet zu werden. Die Messung muss so einfach sein wie die Nutzung.
Und der Grundsatz, der alles trägt: Speed over Perfection. Loslegen mit Grundstruktur statt zwei Jahre auf die perfekte Lösung warten. In einem Konzern mit 110.000 Menschen ist das keine Selbstverständlichkeit. Es ist eine Haltung.