Deutschland liebt seine KI-Strategiepapiere. Jedes Bundesland hat eins. Der Bund hat eins. Die EU hat mehrere. Was fehlt: ein funktionierender Mechanismus, der diese Strategien in die Unternehmen bringt, die das Rückgrat der Wirtschaft bilden. Den Mittelstand.

Simon Brakhage und Elisabeth L'Orange diskutieren in der Tech and Tales Folge zu „Wirtschaftswunder 2.0“ eine unbequeme Frage: Wie kommt KI tatsächlich in ein mittelständisches Unternehmen mit 200 Mitarbeitenden, das weder eine IT-Abteilung noch ein Innovationsbudget hat?

Die ehrliche Antwort: meistens gar nicht.

Der Technologietransfer — also der Weg von der Forschung über Pilotprojekte in die breite Anwendung — ist in Deutschland seit Jahrzehnten ein Schwachpunkt. Bei KI verschärft sich das Problem, weil die Geschwindigkeit der Technologieentwicklung die tradierten Transfermechanismen überfordert. Bis ein Förderprogramm bewilligt ist, hat sich die Technologie bereits zweimal verändert.

Was gebraucht wird, ist nicht mehr Strategie, sondern mehr Praxis. Unternehmer, die anderen Unternehmern zeigen, was bei ihnen funktioniert. Regionale Netzwerke statt Bundesinitiativen. Und eine ehrliche Bestandsaufnahme: Die Stärken des deutschen Mittelstands — Präzision, Domänenwissen, Kundennähe — sind genau die Zutaten, die KI-Anwendungen wertvoll machen. Aber nur, wenn das Domänenwissen mit den neuen Werkzeugen zusammenkommt.

Wirtschaftswunder 2.0 entsteht nicht in Berliner Ministerien. Es entsteht in Werkstätten, die ihre Prozesse mit KI optimieren. Vorausgesetzt, jemand zeigt ihnen wie.