Die KI-Debatte dreht sich um Wissensarbeiter. Entwickler, Marketer, Berater. Menschen mit Laptops, Microsoft-365-Lizenzen und einem Browser-Tab zu ChatGPT. Aber 80 Prozent der globalen Arbeitskräfte sitzen nicht am Schreibtisch. Krankenschwestern, Lageristen, Dachdecker. Für sie existiert die KI-Adoption, wie wir sie diskutieren, schlicht nicht.

Im AI FIRST Podcast „AI for the rest of us“ beschreibt Martin Böhringer, Gründer und CEO von Staffbase, wie KI dorthin gebracht werden kann, wo sie bisher kaum ankommt: in die Hosentasche von Frontline-Workern.

Nicht als Chatbot auf einem Desktop, sondern als Assistent, der in Sekunden antwortet, etwa auf Fragen wie „Der Brief ist zur Hälfte aufgerissen, was tun?“ oder „Welche Kantine-Optionen gibt es für laktoseintolerante Patienten?“.

Der Punkt ist nicht die Technologie. Standard-KI-Tools wie Copilot scheitern bei diesen Zielgruppen, weil sie für Büroarbeit gebaut sind. Was funktioniert: personalisierte Inhalte, in der Sprache der Mitarbeitenden, über Kanäle, die sie ohnehin nutzen. Staffbase generiert sogar personalisierte Podcasts für einzelne Mitarbeitende.

Für KI-Enablement in Unternehmen heißt das: Wer nur die Wissensarbeiter befähigt, erreicht bestenfalls 20 Prozent der Belegschaft. Das ist kein Programm — das ist eine Filterblase. Echte Adoption bedeutet, auch an die Menschen zu denken, die keinen eigenen Arbeitsplatzrechner haben.

Die größte Herausforderung in drei Jahren, sagt Böhringer, wird nicht sein, ob KI funktioniert. Sondern wie wir das Menschliche bewahren, wenn jeder nur noch mit KI spricht. Eine Frage, die gerade bei Frontline-Workern früher relevant wird als in jeder Konzernzentrale.